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  • Energieregion Südliche Fränkische Schweiz

    • Erstellungsdatum: 07.11.2019
    • Regierungsbezirk:
      Oberfranken
Während die vier Kommunen ein Energiekonzept erstellen lassen, setzen sie schon die ersten Maßnahmen um. Schwerpunkte sind die Modernisierung der Straßenbeleuchtung und regenerative Nahwärmenetze.

Die Erstellung eines Energiekonzeptes ist ein komplexer Prozess. Manchmal dauert es nur eineinhalb Jahre, es können aber auch drei Jahre verstreichen, bevor das Konzept präsentiert werden kann. Umso besser, wenn im Zuge der Erstellung schon einmal Maßnahmen zur klimaschonenden Energieversorgung umgesetzt werden. In den vier Kommunen, die sich zur „Energieregion Südliche Fränkische Schweiz“ zusammengeschlossen haben, ist dies der Fall. Noch während das vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberfranken finanziell unterstützte Energiekonzept erarbeitet wird, setzen die Gemeinden erste Projekte um. Konkret sind dies Maßnahmen zur Modernisierung der Straßenbeleuchtung und der Bau beziehungsweise die Erweiterung von regenerativen Nahwärmenetzen.

Die vier beteiligten Kommunen sind die Stadt Gräfenberg, die Märkte Hiltpoltstein und Igensdorf sowie die Gemeinde Weißenohe. Sie gehören auch zum „Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz e.V.“, einem Projekt der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE). Das Gebiet, in dem die 18 Kommunen ansässig sind, befindet sich im südöstlichen Teil von Oberfranken und erstreckt sich entlang der Verkehrsachsen A9 und B2 von Nürnberg bis nach Bayreuth.

Energiekonzept für vier Kommunen
Eines der zahlreichen Handlungsfelder in der Integrierten Ländlichen Entwicklung ist die Energie. Wenn ein Projekt im Rahmen einer ILE umgesetzt werden soll, müssen nicht alle Kommunen dabei sein. Und so waren es auch nur Gräfenberg, Hiltpoltstein, Igensdorf und Weißenohe, die gemeinsam ein Energiekonzept erstellen lassen wollten. Ihrem Zusammenschluss gaben sie den Namen „Energieregion Südliche Fränkische Schweiz“. Gemeinsam wollen sie eine „Modellregion für die Nutzung regenerativer Energien, Energieeffizienz, Ressourcenschöpfung und Klimafreundlichkeit“ werden.

Mit der Konzepterstellung wurde das Planungsbüro EVF - Energievision Franken GmbH beauftragt. Das Amt für Ländliche Entwicklung übernahm 75 Prozent der Kosten für das Energiekonzept. „Es ist immer gut, wenn die Gemeinden schon konkrete Vorstellungen haben, was sie machen wollen. Das war hier der Fall“, sagt Lothar Winkler, Leitender Baudirektor und Leiter der Abteilung Dorf- und Landentwicklung beim Amt für Ländliche Entwicklung für Oberfranken-Ost. In dem Zusammenschluss hatten die Modernisierung der Straßenbeleuchtung und regenerativ unterstützte Nahwärmenetze Priorität.

Einbindung der Bürger
Der Auftrag für das Energiekonzept wurde im April 2017 erteilt. Um den Ist-Zustand zu erfassen, Potenziale für die Energieeinsparung und die Versorgung mit Erneuerbaren Energien zu ermitteln, ist das Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger nötig. Deshalb luden das Planungsbüro und die vier Kommunen im September 2017 zu einer Auftaktveranstaltung ein. Ralf Deuerling von Energievision Franken aus Bamberg stellte an dem Abend das Vorhaben vor. Außerdem wurden Fragebögen verteilt, um Wünsche und Anregungen aus der Bevölkerung zu sammeln. Um zum Mitmachen zu motivieren, gab es ein Preisausschreiben, in dem Sachpreise und zehn Energieberatungen zu gewinnen waren. Die Ergebnisse fließen unter anderem in einen Energieratgeber ein, der in Form eines Flyers in den Kommunen ausliegen wird. Die Bürgermeister und Amtsleiter wurden in eine Steuerungsgruppe eingebunden, die sich regelmäßig trifft, um den aktuellen Stand und anstehende Maßnahmen zu besprechen.

„In dem Netzwerk geht alles auf kurzem Weg, die Zusammenarbeit läuft sehr gut“, sagt Michael Breitenfelder zufrieden. Er ist der Umsetzungsmanager der ILE Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz und unterstützt die Gemeinden bei der Planung und Realisierung von Projekten.

Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED
„Ein großes Thema in den vier Gemeinden ist die Umrüstung der Straßenbeleuchtung“, berichtet Breitenfelder. Die Umstellung auf energieeffiziente LED-Leuchten bietet ein großes Einsparpotenzial, bis zu etwa 80 Prozent Energieeinsparung sind möglich. Allerdings liegt die Entscheidung über die Umrüstung aktuell oftmals nicht in der Entscheidungsbefugnis einer Gemeinde. In dem Großteil der bayerischen Kommunen ist die Straßenbeleuchtung per Konzession im Eigentum von Energieversorgern.

Will eine Gemeinde die Beleuchtung sanieren und dafür auch Fördermittel beantragen, muss sie selbst Eigentümer der Straßenbeleuchtung sein. Dafür muss sie das Netz bzw. wenigstens den oberirdischen Teil der Straßenbeleuchtung von dem Energieversorger zurückkaufen, was als Rekommunalisierung bezeichnet wird. Und es muss frühzeitig ermittelt werden, welche Straßenbeleuchtung die beste ist für eine Gemeinde. „Mal sind 60 Prozent LED-Leuchten optimal, ein anderes Mal ist es sinnvoller, alle Leuchten auszutauschen“, sagt Dominik Böhlein, Geschäftsführer der EVF - Energievision Franken GmbH.

In den vier Kommunen der Energieregion Südliche Fränkische Schweiz ist das Thema unterschiedlich weit fortgeschritten. Gräfenberg habe die Straßenbeleuchtung rekommunalisiert, stoße bei der Rekommunalisierung des Netzes in den Außenorten aber auf Probleme, berichtet Böhlein. Auch werde derzeit geprüft, ob es sich lohnt, ein Kommunalunternehmen zu gründen, welches Wartungsaufgaben übernimmt. „Das könnte dann gleich für alle Kommunen tätig werden.“ Eine andere Möglichkeit wäre, einen Mitarbeiter eines Bauhofs dafür zu schulen. Sein Know-how könnte dann auch gleich von den anderen Gemeinden genutzt werden.

Es sind Synergieeffekte wie diese, die im Projekt erwünscht sind. Und es ist ein Beispiel dafür, wie Konzepterstellung und Umsetzung Hand in Hand gehen können. Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung ist nicht nur eine empfohlene Maßnahme in dem Energiekonzept, parallel zur Erstellung wurde schon an der Realisierung gearbeitet. Mittlerweile ist diese fast abgeschlossen.

Biogas für Nahwärmenetze: Wie geht es weiter nach dem EEG?
Das zweite Schwerpunktthema sind Nahwärmenetze. Hier ist die Situation in jeder Kommune anders gelagert. In Hiltpoltstein wurde vor 18 Jahren eine Biogasanlage gebaut, die Energie für das örtliche Nahwärmenetz liefert. Nach 20 Jahren Laufzeit, also schon bald, fällt sie aus der EEG-Vergütung heraus. Die Frage ist, wie es danach weitergehen soll. Der Betreiber der Biogasanlage, die Gemeinde und Energievision Franken haben im Rahmen der Erstellung des Energiekonzeptes gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Voraussichtlich wird das Nahwärmenetz zukünftig mit Holzhackschnitzeln betrieben.

In Igensdorf läuft die Förderung bei der einspeisenden Biogasanlage ebenfalls bald aus. Hier stellt sich noch die Frage, ob die Schule, mehrere kommunale Liegenschaften und vielleicht auch private Haushalte ebenfalls an das Wärmenetz angeschlossen werden sollen. Der neue gemeinsame Bauhof von Igensdorf und Weißenohe wird das erste Gebäude sein, das mit regenerativer Wärme der Igensdorfer Biogasanlage versorgt wird.

Ganz anders sieht es in Weißenohe aus. Hier haben das Kloster Weißenohe, in dem heute das Chorzentrum untergebracht ist, die Klosterbrauerei, das Rathaus sowie weitere kommunale Liegenschaften Interesse, Wärme aus einem regenerativ unterstützten Wärmenetz zu beziehen. Energievision Franken prüfte im Konzept, ob sich der Bau eines solchen Netzes rechnen kann. Das Ergebnis fiel positiv aus. Es wird von den Beteiligten nun überlegt, wie auch dieses Projekt am besten angegangen werden kann. Einfach ist die Situation in Gräfenberg: Hier sind die Planungen abgeschlossen, das Nahwärmenetz wird gerade erweitert.

Die Kurz- und die Langfassung des Energiekonzeptes liegen nun vor. Die Langfassung hat wegen der vielen Teilprojekte rund 400 Seiten. Nach der Verabschiedung der finalen Fassung sollen die nächsten Maßnahmen mit großen Schritten umgesetzt werden.

Text und Fotos: Journalistin Ina Röpke
Weitere Informationen:
Wirtschaftsband A9 Fränkische Schweiz: www.wirtschaftsbandA9.de
http://wirtschaftsbanda9.de/projekte/energiekonzept-suedliche-fraenkische-schweiz/
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